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  • Diskussionen zum Gewicht und Beladung von Wohnmobilen findet man immer wieder regelmäßig in Foren und Social Media. Die 3,5 Tonnen Grenze ist halt nicht einfach zu unterschreiten. Viele Wohnmobile sind schon ab Werk mit einer viel zu geringen Zuladung unterwegs.
  • Ein Mobil für vier Personen mit einer Masse im fahrbereiten Zustand von mehr als 3.100 Kilo ist fast nicht für einen längeren Urlaub zu nutzen. Zudem tricksen die Hersteller bei den Angaben. Da wird das Fahrzeug in der oft nackten Grundausstattung ohne Markise, Fernseher und anderen sinnvollen Ausstattung angegeben. Auch der große Frischwassertank hat eine „Fahrstellung“, bei der gerade einmal 10 bis 25 Prozent des Volumens gefüllt sind. Der Fahrer ist mit 75 Kilo berechnet. Dann genehmigen sich die Hersteller auch noch eine Gewichtstoleranz von 5 Prozent. Die jedoch leider meist nach oben zeigt. Fünf Prozent von 3.100 Kilo sind schlappe 155 Kilo. Dann wiegt das Fahrzeug 3.255 Kilo in „fahrbereitem“ Zustand!
Mit vielen Extras steigt beim Wohnmobilkauf nicht nur der Preis, es sinkt auch massiv die Zuladung!

Also aufpassen beim Kauf, wenn die Zuladungsreserven zu gering sind, droht permanente Überladung. Besser ein Fahrzeug bei oder nach der Übernahme wiegen um sicher zu gehen, das alles so wie im Prospekt und im Kaufvertrag versprochen ist.

Jeder findet in der Nähe geeichte Fahrzeugwaagen um den IST-Zustand festzustellen
  • Auch beim Zubehör zahlt sich Zurückhaltung bei der Bestellung aus. Denn das Gewicht der Extras schränkt die Zuladung weiter ein. Ein weiterer Tipp ist es in ein Maxi-Fahrwerk (Fiat und Ähnliche) zu investieren. Damit fällt eine spätere Auflastung wesentlich einfacher aus. Zudem ist ein Wohnmobil mit Maxi- oder Heavy-Chassis auch technisch schwer zu überladen. Die höheren Achslasten und die höhere Tragfähigkeit der Rad-Reifen-Kombination bietet wichtige Reserven. Die erkauft man sich mit 40 Kilo Mehrgewicht gegenüber dem Light-Chassis

Informationen zur Masse im fahrbereiten Zustand findet ihr auf der Seite https://www.wohnmobil-recht.de/news/masse-in-fahrbereitem-zustand-545

Andererseits ist die Wahrscheinlichkeit, gewogen zu werden, relativ gering. Aber wenn es dann soweit ist, was kommt da auf den Fahrer / die Fahrerin an Ungemach zu? Jetzt kommen wir zu den Mythen im Umfeld der Überladung.

Ich lese und höre immer wieder die Behauptungen, dass man, wenn man denn dann erwischt wurde, nicht nur eine Strafe für die Überladung erhält, sondern zum Beispiel in Österreich auch noch ein Mautvergehen sowie eine Straftat wegen Fahrens ohne den passenden Führerschein begangen haben soll. Das ist schlichtweg falsch!

Aber der Reihe nach:

Strafen für Überladung
Eine Überladung kann darin bestehen, das das zulässige Gesamtgewicht des Fahrzeugs oder des Fahrzeugs mit Anhänger überschritten wird. Wie hoch die Strafen in verschiedenen Ländern dafür ausfallen können, steht hier, hier und hier.

Achslast-Überschreitung
Wenn das Wohnmobil insgesamt nicht zu schwer ist, aber falsch beladen, kann auch die zulässige Achslast auf einer Achse, meist die Hinterachse, überschritten worden sein. Dann kann man durch Umpacken von schwerer Ladung das Problem theoretisch lösen. Bei langen Überhängen und Heck Trägern am Wohnmobil kann das auch unmöglich werden. Theoretisch könnte auch die Tragfähigkeit einzelner Rad/Reifen Kombinationen überschritten sein. Das ist aber als Einzelfall eher unwahrscheinlich, da die Verwiegungen in der Regel achsweise erfolgen.

Begehen wir ein Mautvergehen bei Überladung?

Maut- und / oder Führerscheinvergehen
Wie sieht es denn nun mit einem Maut Vergehen aus? Das überladene Wohnmobil ist ja definitiv schwerer als die 3,5 Tonnen bis zu denen man z.B. ohne GoBox und mit nur einem Pickerl in Österreich die Autobahn befahren darf. Hier gilt aber ebenso wie beim oft angeblichen Führerscheinvergehen, es zählt das zulässige Gesamtgewicht und nicht das tatsächliche.

Nachdem man überladen erwischt wurde, darf man sowieso erst weiterfahren, wenn das Fahrzeug wieder das richtige Gewicht hat. Dann passt auch das Pickerl und der Führerschein wieder zur Fuhre.

hGesamtgewicht aller 4 Räder gemessen mit der Reich Waage ttps://t1p.de/qeut

Also achtet auf die Gewichtsgrenzen bei Euerem Wohnmobil, denn das verringert nicht nur die Gefahr, bei einer der sehr seltenen Wiegeaktionen der Polizei erwischt zu werden, sondern auch massiv die Sicherheit Eueres Gefährts während der Fahrt. Überladen einen Unfall zu haben, egal ob verschuldet oder unverschuldet führt zu großen Nachteilen bei der Schadensregulierung und Klärung der Schuldfrage.

Mir selbst ist schon mal ein Unfall mit dem Wohnmobil auf der Autobahn passiert. Ein PKW hat mich auf regennasser Fahrbahn ohne ersichtlichen Grund massiv ausgebremst und dadurch ist bei meinem anschließenden Ausweichmanöver der linke Vorderreifen geplatzt. Das Ergebnis war ein Totalschaden, wie man auf den Bildern sehen kann. Eine Überladung war Gott sei Dank nicht gegeben, da ich alleine mit dem Wohnmobil auf Rückfahrt von einer Messe war. Auch ist niemandem etwas dabei passiert. Ich habe daraus gelernt, das man mit so viel bewegter Masse besser langsamer und vorsichtiger und vor Allem nicht überladen fährt.

Bei einem Unfall reagiert ein Wohnmobil anders als ein PKW – vor allem bei Überladung

Also achtet auf das Gewicht bei Eueren Fahrzeugen und fahrt vorsichtig mit angepasster Geschwindigkeit und technisch einwandfreier Beladung. Gewogen werden nur die wenigsten von uns jemals werden, wem das passiert ist, der möge doch darüber in den Kommentaren berichten. Das ist aber kein Grund sein Reisemobil wissentlich zu überladen.

Der richtige Reifendruck im Wohnmobil Reifen

Dies ist der erste Teil meiner fünfteiligen Reihe Wohnmobil Mythen. Es gibt einige Themen, die immer wieder kontrovers in Foren und Social Media zu Wohnmobilen diskutiert werden. Bei manchen werden immer wieder Halb- oder Unwahrheiten verbreitet. Diesen Mythen möchte ich in dieser Serie mit Fakten und meinen eigenen Erfahrungen begegnen.

Mythos No. 1: Es muss der vom Wohnmobil-Hersteller vorgeschriebene Reifendruck gefahren werden

Bei fast allen Wohnmobilen auf Fiat Ducato Basis und den baugleichen Modellen, Citroen Jumper und Peugeot Boxer, schreiben die für die letztendliche Strassenzulassung verantwortlichen Wohnmobil Hersteller einen Reifendruck von 5,5 Bar auf beiden Achsen vor. Egal ob auf einem Light Chassis (bis 3,5 t) oder einem Maxi Chassis und völlig unabhängig von der Beladung des Fahrzeugs. Von den PKW’s kennen wir es anders. In der Fahrschule wurde uns beigebracht, den Reifendruck an die Beladung anzupassen. Denn weder ein zu hoher noch ein zu niedriger Reifendruck ist gut für die Räder unserer Fahrzeuge. Bei einem zu hohen Reifendruck fahren sich die Reifen in der Mitte stärker ab und haben eine kleinere Kontaktfläche zur Straße. Bei zu niedrigem Reifendruck walken die Reifenflanken wodurch sie sich stark erhitzen können, bis hin zum Reifenbrand. Sicher möchte niemand einen brennenden, aber genauso wenig einen falsch abgefahrenen und bockharten Reifen. Warum sollte sich das bei Wohnmobilen anders verhalten?

Die meist vorgeschriebenen 5,5 Bar Druck entsprechen dem maximal möglichen Reifendruck. Bei meinen Michelin Agilis Camping steht 80 PSI auf der Reifenflanke, das entspricht 5,516 Bar. Damit fährt sich das Wohnmobil wie mit Vollgummirädern. Jeder Kanaldeckel und jedes Schlagloch wird ungefedert direkt über das Fahrwerk an den Aufbau weiter gegeben.

80 PSI oder 5,516 Bar maximaler Reifendruck auf der Flanke der Michelin Agilis 225 / 75 R16 CP LI 116

Was mich verwundert ist, dass sich bei meinen Reifen die Traglast ab einem Druck von 4,75 Bar nicht weiter erhöhen lässt. Was bringt dann ein um weitere 0,75 Bar höherer Druck noch?

Wer genau wissen will, wie man den richtigen Reifendruck am Wohnmobil feststellt, dem empfehle ich den Blog von Michael Springmann. Er hat das sehr detailliert erklärt.

„Der richtige Reifendruck am Wohnmobil“

— Michael Springmann 5. August 2019

Tabelle meiner Reifen Druck und Tragfähigkeit mit rot markiert

Auch wenn die Wohnmobil Hersteller in diesem Fall zu wissen scheinen, dass die Zuladung ihrer Fahrzeuge meist unzureichend ist, denn welchen Grund sollte diese Übervorsicht sonst haben? Das trifft ganz besonders auf die Vorderachse zu. Denn bei den Light Fahrwerken hat diese eine maximale Traglast von 1.850 kg. Dafür würde laut Michelin Reifendruck Tabelle ein maximaler Reifendruck von 3,5 bar völlig ausreichen.
Probiert es doch mal aus! Fahrt eine Strecke mit 5,5 Bar und lasst danach den Reifendruck auf 3,5 Bar ab und fahrt die gleiche Strecke nochmal. Ich schwöre Euch, Ihr werdet glauben man hätte Euch eine Luftfederung eingebaut. Das schont neben dem Möbelbau im Camper auch die Bandscheiben der Mitfahrer.

Wohnmobil auf ruppiger Piste mit passendem Luftdruck kein Problem

Grundsätzlich ist letztendlich der Fahrer für die Verkehrssicherheit seines Fahrzeugs verantwortlich, also Ihr selbst. Auch auf den vom Reifen Hersteller vorgeschriebenen Luftdruck sollte man achten. Die Anleitung für Michelin habe ich Euch oben verlinkt. Dann steht einer sicheren und gut gefederten Fahrt nichts mehr entgegen. Wenn da nicht die inzwischen vorgeschriebenen Reifendruck Sensoren wären. Die sind natürlich auf einen Solldruck von 5,5 Bar Druck eingestellt. Bei weniger geben sie Alarm im Cockpit aus.

Aber auch das lässt sich lösen. Entweder die Fiat Werkstatt stellt Euch das ein, oder Ihr macht es wie ich und kauft Euch ein USB-Kabel für die OBD-Steckdose im Ducato und das Programm MultiEcuScan. Damit, einem Windows PC und der sehr guten Video Anleitung, die Jo von Pepperitis erstellt hat, schafft Ihr es genau wie ich auch selbst.

Ich schreibe diesen Blog Post auf der Peloponnes in Griechenland, glaubt mir, ich würde hier keinen Kilometer mehr mit 5,5 Bar in den Reifen fahren. Ich habe bei meinem Eura Mobil PT 695 EB auf einem Heavy Fahrwerk vorne 3,8 Bar und hinten 4,3 Bar.

Neue Schwellwerte für die Reifen an meinem Eura Mobil im Programm MultiECUScan

Damit fährt es sich wie auf Wolken. Zudem kann ich auf beiden Achsen nahezu die maximal erlaubte Achslasten bei meinem auf 3,5 Tonnen abgelasteten Maxi Fahrwerk erreichen, ohne zu wenig Tragfähigkeit in den Reifen zu haben. Bei einem nicht überladenen Light Chassis könnte man noch niedrigere Reifendrücke fahren, aber schon ein Bar weniger erhöht den Fahrkomfort enorm. Probiert es aus und schreibt mir Eure Erfahrungen in die Kommentare.