360 Grad Kameras im Vergleich – Samsung Gear 360 vs. Ricoh Theta S

360 Grad Bilder und Videos werden inzwischen nicht nur von den Google Autos erstellt. heute kann jeder zum Street-View Fotografen werden.

Früher mühevoll mit dem Handy und mehreren Drehungen um die eigene Achse gemacht, löst man heute mit einer 360 Grad Kamera mit einem Klick ein komplettes Bild aus. 360 Grad Kameras gibt es inzwischen von vielen Herstellern. LG, Ricoh, Kodak, Samsung und viele andere.

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Eines meiner neusten 360° Projekte – Das Dallwigk in Ingolstadt

Auflösung

Ricoh war mit der Theta der Pionier auf diesem Markt. Nach der ersten Theta kam die Theta m15 und im letzten Jahr die Theta S. Jede neue Kamera mit einer höheren Auflösung als das Vorgängermodell. Die Theta S löst bei Film mit Full HD, also 1.920 x 1.080 Pixeln auf. Das hört sich nach einer tollen Auflösung an, bei „normalen“ Filmen mag das zutreffen, aber bei Kugelpanoramen sieht man immer nur einen sehr kleinen Teil der gesamten Aufnahme. Damit sinkt die Auflösung in pixelige Niederungen ab. Somit war die Gear 360 von Samsung mit 4K (3.840 x 1.920) Auflösung die logische Nachfolgerin der Theta S in meinem Gadget Zoo. Versprach diese nur mit dem Samsung Galaxy S6 und S7 kompatible Kamera doch ein wesentlich besseres Bildergebnis. Weitere Vorteile auf den ersten Blick: Spritzwasserfest und Outdoor geeignet.

Für die Erfassung des Jesuitenfriedhofs in Peking im Juni 2016 musste das Feature-Monster unbedingt her. In Deutschland leider erst ab 11. Juni 2016 vorbestellbar, fand die Kamera den Weg von Süd-Korea über Canada Ende Mai zu mir.

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Stitching – Zusammenfügen der Bilder

Erster Eindruck, tolle Bilder schnelle und unproblematische Zusammenarbeit mit dem Samsung galaxy S7 und der VR-Brille Samsung Gear VR. Aber! Stitching-Probleme ohne Ende. Unter Stitching versteht man das nachträgliche Zusammenfügen der beiden Halbkugelbilder bei 360 Grad Kameras. Dabei kann es zu Problemen kommen, wenn die beiden Bilder unterschiedliche Helligkeit und Farbwerte haben. Dann ist eine Trennlinie dort zu sehen, wo beide Bilder aufeinander treffen. Noch schlimmer ist bei der Gear 360 aber der Keil, der bedingt durch das weite Auseinanderliegen der beiden Linsen (4 cm) herausgeschnitten wird. Damit eignet sich die Gear 360 im Gegensatz zur Theta S nicht für Innenaufnahmen von kleinen Räumen (z.B. Autos) oder 360 Fotos von im Kreis nah an der Kamera stehenden Menschen. Es kann sein das bei ungünstig an der Nahtstelle stehenden Personen Teile vom Körper oder Gesicht fehlen. Das sieht dann etwas erschreckend aus. bei der Theta S kommt noch hinzu, das die einzelnen Kameras nicht wie bei der Gear 360 „nur 180 Grad“ sondern 190 Grad erfassen. Das führt beim Stitiching zu einem Überlappungsbereich und damit zu einem wesentlich besseren Endergebnis. Hier wird der Erfahrungsvorsprung der Japaner deutlich sichtbar.

Nachtaufnahmen

Auch bei Nachtaufnahmen kann man aus der Theta S mehr herausholen als aus der Gear 360. Da bringt die Automatik nur einen höheren ISO-Wert, der zu einem verrauschten Bild führt. Bei der Theta S kann man die Belichtungszeit einstellen und so bei statischen Aufnahmen sehr schöne Ergebnisse erzielen.

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Livestreaming

Wieder ein Punkt für die Theta S. Mit einem HDMI und einem USB-Ausgang hat die Theta S damit schon die Nase vorn. Mit der Gear 360 ist Livestreaming in der heutigen Ausstattung nicht möglich. Wenn dann würde das auch nur über den USB-Port wie bei der Theta S gehen. Wie es bei der Ricoh Theta S geht habe ich hier beschrieben. In der neuen Studio Software von BoinxTV, MimoLive, kann die Theta S inzwischen direkt als 360 Grad Kamera eingebunden werden.

Ton

Da schlägt die Gear 360 die Theta S um Längen. Den Ton kann man bei der Theta S nur in dem direkten Nahbereich der Kamera einigermaßen verstehen. Bei der Gear 360 ist auch ein weiter weg sprechender Mensch noch deutlich zu hören.

Kompatibilität

Punkt für die Theta S! Die Samsung Gear 360 kann nur mit der Galaxy S6 und S7 Serie aus dem Hause Samsung verwendet werden. Angeblich braucht man die enorme Rechenpower der Samsung Handsets um das Stitching der Bilder durchführen zu können. Ich denke es gibt genügend Handsets von anderen Herstellern die das auch schaffen können. Eine gewisse Prozessor- und Grafikleistung sollte natürlich vorhanden sein. Samsung betreibt hier eine gewisse Abschottung zu anderen Herstellern. Mit der Theta S kann man fast alle neueren Smartphones als Steuerung her nehmen. Die Theta Video und Bildbearbeitungs-Apps nehme ich sogar für die Gear 360 Fotos her weil die so gut sind.

Service

Kommen wir zum Service. Bei der Ricoh Theta S war das aus Plastik gefertigte Stativgewinde gerissen. Das wurde ohne Berechnung innerhalb der Garantiezeit von Ricoh behoben.  Bei der Gear 360, die mir in Peking auf den Asphalt gefallen war, versuche ich noch heute vergeblich Service oder Ersatzteile zu bekommen.

Wo ich denn meine Gear 360 gekauft habe, war die erste Frage die man mir beim deutschen Samsung Service stellte. Nachdem ich wahrheitsgemäß Süd-Korea angegeben habe, wurde ich an den Händler dort verwiesen. Ersatzteile bekommen nicht einmal die deutschen Händler, was ich durch eigene Nachfrage und eine Rezension auf Amazon bestätigt bekommen habe. Das ist bei einer 350 Euro teueren Kamera die auch noch als Outdoor geeignet vermarktet wird mehr als ärgerlich. Denn wenn die Kamera mit den Linsen Abdeckungen die auch zur Optik gehören auf harten Untergrund fällt entstehen Schlieren und Risse, die das Bild verderben.

Ich warte jetzt auf eine 360 Grad Kamera von Ricoh mit 4K Auflösung. Die wird dann die Samsung Gear 360 ablösen. Dann ist das Stitching und der Service so wie ich es mir vorstelle. Bei Samsung fehlt mir zudem auch noch eine Plattform, auf der ich die Bilder zu einer virtuellen Serie verknüpfen und mit der Gear VR Brille ansehen kann. Bisher geht das nur mit einzelnen Bildern.

Preis

Trotz eines leichten Preisverfalls bei der Ricoh Theta S steht diese mit einem UVP von 399 Euro und einem Strassenpreis von 349 Euro trotz schlechterer Auflösung preislich über der Gear 360. Das ist aber aus meiner Sicht fast schon gerechtfertigt, bekommt man doch mit der Theta S die ausgereiftere Kamera mit mehr Möglichkeiten.

Fazit

Wer schon ein Samsung Galaxy S6 oder S7 hat und vor allem mit dem S7 gerne in der Natur 360 Grad Videos bei Tageslicht machen möchte und dem Service und Reparaturmöglichkeiten egal sind, der kann getrost zur Samsung Gear 360 Wegwerfkamera greifen.

Wer Livestreams und Nachtaufnahmen machen möchte und gerne selbst Belichtungszeiten einstellen können will, oder in kleinen Räumen ohne Stitching Probleme Aufnahmen machen will der sollte sich die Theta S zulegen. Mit dem Gehäuse TH1 wird auch dies 360 Grad Kamera Spritzwasserdicht.

Ich werde auf die nächste Version der Theta S mit hoffentlich höherer Auflösung warten und dann den goldenen Markenkäfig von Samsung wieder verlassen.

3 Kommentare zu „360 Grad Kameras im Vergleich – Samsung Gear 360 vs. Ricoh Theta S

  1. Wir haben uns nun schon zum 2. Mal diesee 360 Grad Kamera gekauft und im Urlaub atemberaubende Aufnahmen gemacht. Videomäßig ist sie allerdings nicht perfekt. Wir hoffen, dass es in Bälde einen perfekten Ricoh Theta Nachfolger gibt, der noch bessere Bildleistungen vollbringen kann.

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