In der Höhle der Löwen – Was Startups dort erwartet

Genau wie die Samwer-Brüder erfolgreiche Startup-Ideen aus den USA für den deutschen Markt kopieren, so machen das auch viele Privatsender. VOX hat die US-Sendung Shark Tank die bei ABC sehr erfolgreich in der sechsten Staffel läuft als „Die Höhle der Löwen“ ins deutsche Fernsehen gebracht. Die Sendung wurde für den zur RTL-Gruppe gehörenden Sender zu einem Quotenbringer und soll jetzt sogar mit einer neunten Folge komplettiert werden. Auf diese letzte Folge am 14. Oktober kann man sehr gespannt sein, denn dort soll über die erfolgreichen Investments der Show berichtet werden.


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In den schon seit Februar aufgezeichneten Folgen stellen sich Existenzgründer einer sehr kritischen Jury aus „Investoren“. Teil der Inszenierung ist, das die Neu-Unternehmer mit einem alten Lastenaufzug in den Keller nach unten fahren um dann durch einen stilisierten Käfig-Bogen vor die „Jury“ der fünf „Investoren“ zu treten. Gunnar Sohn schreibt auf seinem Blog über die Sendung:

Eine Teleshopping-Operndiva, die Saugnapfmaschinen vertickt; ein Internet-Unternehmer, der eine Dokumenten-App gegen die Wand fährt sowie Kellerbier von Kölsch nicht unterscheiden kann; ein Ex-Stuntman, der in seinem Erlebnis-Geschenkportal Fahrten mit Schützenpanzern anbietet; eine Jung-Unternehmerin, die sich in das gemachte Nest von Papi legt; ein alternder Touristik-Unternehmer, der die besten Zeiten schon längst hinter sich hat. Fünf Möchtegern-Unternehmer, die sich in der Vox-Sendung “Höhle der Löwen” als Investoren für Gründer mit hohlen Sprüchen und Weisheiten in Szene setzen. 

Mir stellt sich die Frage, welcher echte Investor gibt sich für ein solches Sendeformat her? Welche Intentionen stehen dann hinter der Beteiligung an einer solchen Sendung? Sind es vielleicht Gründe, wie sie bei C- und D-Promis zu finden sind die sich am Dschungelcamp beteiligen? Oder will man mehr von seinen eigenen Produkten verkaufen, oder lockt schlicht der schnöde Mammon des Senders? Wollen und können die Löwen überhaupt so viel investieren, wie in der Sendung gezeigt? Bei acht Folgen und je sechs bis sieben Teilnehmern pro Sendung sind das über 50 Firmen. Wie viel Kapital steht denn auf der Seite der Investoren überhaupt zur Verfügung? Schon wird auf Focus-Online von den ersten geplatzten Deals aus den aufgezeichneten Folgen gesprochen:

Trotz der publikumswirksamen Umarmung in der „Höhle der Löwen“ und dem Optimismus von Öger („Auf eine gute Zukunft!“), investierte bislang keiner der drei Geldgeber in Locca.

Auf bild.de begründet die „Löwin“ Lencke Wischhusen warum es zu den geplatzten Investments gekommen ist so:

Es ist ganz einfach: Wir müssen uns darauf verlassen können, dass Aussagen der Gründer aus der Präsentation stimmen, genauso natürlich die Kennzahlen des Unternehmens. Wenn das nicht der Fall ist bzw. die Gründer sich nachher als unseriös erweisen, stecken wir unser Geld natürlich nicht da rein. In zwei Fällen war das so. 

Wie wir von Teilnehmern der Show wissen, haben die Businesspläne und detaillierten Zahlen zu den vorgestellten Unternehmen niemanden wirklich interessiert. Lediglich in der Show wird dann nach Umsätzen und genauen Kalkulationen gefragt, die mancher Jungunternehmer aber aus Konkurrenzgründen nicht in der Öffentlichkeit nennen möchte. Zudem wird der komplette Pitch durch den Sender sehr stark verkürzt wieder gegeben. Durch das Herausschneiden entfallen für den Zuschauer wesentliche Informationen um die Geschäftsidee wirklich beurteilen zu können. Die Frage ist daher, auf welcher Basis entscheiden die potentiellen Investoren, ob ein Startup interessant ist oder nicht? Welche Zahlen werden dann im Nachhinein angezweifelt, um sich aus dem medienwirksamen Handschlag-Deal in der Sendung wieder verabschieden zu können. Ist die Show nur Show oder wird dort wirklich echtes und eigenes Geld der Löwen in die Startups investiert? Vox schreibt dazu:

Wen die „Löwen“in ihre Höhle lassen, der hat die Chance auf den Deal seines Lebens. Mit dem Wissen und dem Geld der „Löwen“ können aus kleinen Firmen lukrative Unternehmen werden.

Da das Format noch sehr neu ist, gilt es diese Behauptung in der Zukunft mit Fakten zu unterfüttern. Bisher sieht es noch nicht danach aus.

Die Antwort auf die Frage wer oder was hier unseriös ist, überlasse ich jedem Leser selbst. Existenzgründer sollten es sich aber vorher gut überlegen, ob sie sich wirklich in die Höhle der Löwen auf Vox wagen. Das rät einer der dort keine schöne Erfahrung gemacht hat.

Gut gefallen hat mir der Satz von Christian Klemenz, das man als Startup-Unternehmer ständig Risiken eingehen muss. Auch die Beteiligung an diesem Sendeformat hat er als vorausschauender Unternehmer als mögliches Risiko gesehen. Aber er hat sich trotzdem in die „Höhle der Löwen“ gewagt. Auch wenn die Erfahrung in und um die Sendung nicht sehr positiv für ihn war, er hat damit auf jeden Fall Aufmerksamkeit für seine Idee und sein Produkt erhalten. Dafür kann man sich schon mal von den fünf „Investoren“ mit „scharfkantigen“ Fragen für die Einschaltqute des Senders „sezieren“ lassen. Letztendlich zählt der unternehmerische Mut und das Vertrauen in das eigene Produkt oder die eigene Idee mehr als ein paar unangenehme Minuten in einer künstlichen „Löwen-Hölle“.

Startups ohne eine gewisse Vorerfahrung mit Investoren oder Auftreten in der Öffentlichkeit, würde ich aber von dem Format abraten. Denn man braucht als „Löwenfutter“ schon ein sehr dickes Fell, damit die medial inszenierten „Bisse“ der fünf Miezekätzchen keinen bleibenden Motivations-Schaden hinterlassen.

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