Dieser Chip geht unter die Haut – Biohacking auf der Bühne

München 23.10.2018

Im Sofitel Bayerpost findet die Veranstaltung mit dem Namen Disruption statt. Im Vorfeld konnten sich die Teilnehmer freiwillig für ein Biohacking Experiment auf der Bühne melden. Ursprünglich haben sich laut Veranstalter 4 Personen gemeldet. Davon kamen zwei um 11:30 Uhr zum vereinbarten Treffpunkt. Ein Herr in Anzug, der Biohacker Jowan Österlund und ich. Es wurde gelost und das Los fiel auf mich.

Auf der Veranstaltung Disruption Foto: Andreas Henn

Eröffnet wurde die Veranstaltung von Dorothee Bär der Staatsministerin für Digitalisierung im Bundeskanzleramt. Mein fränkische Landsmännin hielt einen sehr launigen, selbstkritischen und wortreichen Vortrag.

Viel Neues war auf der gesamten Veranstaltung, zumindest für mich, nicht dabei. Am besten hat mir der Vortrag und Live Act von Ankit Walani gefallen. Er hat gezeigt, wie schnell man einer disruptive Geschäftsidee einen Internetauftritt und damit ein Gesicht verpassen kann.

Der letzte Akt des Tages war Jowan Österlund Founder & CEO, Biohax International. Er versuchte den noch anwesenden Teilnehmern zu erklären warum ein Mensch sich einen RFID Chip unter die Haut stechen lassen sollte. Er sprach vom Internet of us.

Implantierter RFID Chip Foto: Biohax International

Der RFID Chip hat diese technischen Daten:

Typ:                         NTAG216, ISO14443 A, NFC forum 2 13,56MHz

Material:                8625 Bioglass
Größe:                    2x12mm
Kapazität:              888bit, 7 byte UID
Speicherzeit:         10 Jahre
Schreibzyklen:      100.000

Was kann der Chip und was geht damit nicht:

  1. Auslesen geht nur, wenn man das Lesegerät direkt über der Haut hält
  2. Der RFID Chip selbst hat keine Batterie und erhält den Strom über eine Antenne (Kupferspule im Bild oben) Das macht seine Langlebigkeit aus.
  3. GPS Ortung geht weder mit diesem noch mit den oft erwähnten Chips die man Haustieren implantiert. Nur wenn ein Tier herrenlos aufgefunden wird, kann der RFID Chip ausgelesen und darüber der Besitzer festgestellt werden.
  4. Türen öffnen zu Hause und im Büro. Türöffner mit RFID Leser, wie sie häufig in Firmen bereits eingesetzt werden können mit den passenden Daten geöffnet werden. Der implantierte Chip ersetzt dabei die Plastikkarte. Unser Kater öffnet mit seinem Chip die Katzenklappe zur Garage. Damit ist im Gegensatz zur früheren Klappe mit Magnet sicher gestellt, das nur unser Kater in die Garage kommt und nicht jede Katze mit Magneten am Halsband. Weiterer Vorteil, es bleiben keine Metallgegenstände an der Katzen hängen.
  5. Da man auf den Chip jede digitale Information mit bis zu 1 Kilobyte speichern kann, kann man auch so etwas wie eine Visitenkarte, einen Link, ein digitales Zugticket ein Bitcoin Wallet etc. etc. speichern
  6. Die Daten sind auch gegen Überschreiben absicherbar.

Jowan hat als Tätowierer gelernt Menschen unter die Haut zu gehen und hat nach seinen Angaben inzwischen mehr als 3.000 Menschen einen RFID Chip implantiert. Entsprechend routiniert lief es auch bei mir ab. Etwas mulmig war mir davor schon. Nicht nur das man eine ziemlich dicke Kanüle in die Hand gestochen bekam, sondern auch noch vor 200 Zuschauern auf der Bühne. Aber direkt davor war ich überraschenderweise die Ruhe selbst.

Foto: Andreas Henn

Erst wurde meine Hand an der Stelle ordentlich desinfiziert und er zog sich Handschuhe an, dann hat er noch viel dazu erzählt und mich dabei in die Hand gezwickt.

Foto: Andreas Henn

Das diente dazu mich unempfindlicher zu machen. Irgendwann nahm er die Kanüle mit 2 mm Innendurchmesser aus der Verpackung und setzte sie an.

Foto: Andreas Henn

Witzig finde ich die Gesichter der Zuschauer auf diesem Bild vom Top Fotografen der Veranstaltung Andreas Henn.

Foto: Andreas Henn

Zum Schluß kam ein dickes Pflaster auf die Wunde und zwei anwesende Sanitäter haben mein Wohlbefinden gegen gecheckt.

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Foto: Andreas Henn

Meiner Frau war es gar nicht recht, als sie ihren Kollegen erklären musste, warum ich sowas mache.

Ich wurde sehr viel gefragt. Für was das gut sei? Was man damit machen könne? Es wurden mir als Alternativen RFID Chips zum Aufkleben auf den Fingernagel angeboten. (Danke Ronald ich warte auf den Chip)

Heute, vier Tage danach ist nur noch die etwa 1,5 Millimeter große Einstichstelle zu sehen. Probleme oder Beschwerden habe ich keine. Der Chip ist noch leer und zeigt beim Scannen die Internetadresse von Biohax.tech.

Ich würde gerne eine Kreditkarte darauf speichern, schließlich haben die auch nur einen RFID-Chip für das Kontaktlose Bezahlen. Ich versuche gerade mit Wirecard dazu Kontakt aufzunehmen. Mobile Payment interessiert mich derzeit sehr. Apple und Google Pay ist schon auf meinen Smartphones und der Apple Watch installiert und in China kann ich mittlerweile via WeChat Pay mobil bezahlen. Aber dazu mehr in einem anderen Blogpost.

Wenn Ihr weitere Fragen oder Informationen zum Thema habt, freue ich mich über Eueren Input in den Kommentaren. Ich werden mich weiter schlau machen und später berichten, was ich mit dem Speicher unter der Haut angestellt habe.

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