Das Digitale frisst das Analoge

Digital frisst Analog – Alles was digitalisierbar ist wird digitalisiert werden

Zeitungen sterben, Umsätze wandern vom Laden in das Internet. Musik, Filme und Bücher werden digital erstellt verkauft und konsumiert. In seiner heutigen Meldung schreibt der Bonner Wirtschaftspublizist Gunnar Sohn:

 ‚Digitaler Darwinismus‚ ist ein kerniger und provokanter Begriff, um die sich abzeichnenden Effekte der zunehmenden Digitalisierung und Vernetzung zu beschreiben. ‚Aber um nichts anderes geht es momentan in der Wirtschaft. Es geht um einen Überlebenskampf, den über lange Jahrzehnte erfolgreiche Unternehmen wie Quelle und Neckermann schon verloren haben, und dessen Ausgang bei erfolgsverwöhnten Unternehmen wie Sony, Nokia und dem Blackberry-Hersteller Research in Motion oder auch Karstadt nach wie vor offen ist. Dabei zeigt sich: Es geht nicht mehr um Größe, es geht nicht unbedingt um Schnelligkeit, es geht nicht alleine um das Ausmaß der Anpassung und Stärke. Heute gilt vielmehr: ‚Survival of the smartest’‘, schreiben Professor Ralf T. Kreutzer und Microstrategy-Manager Karl-Heinz Land in ihrem neuen Buch „Digitaler Darwinismus – der (stille) Angriff auf Ihr Geschäftsmodell und Ihre Marke -Welche Macht Social Media wirklich innewohnt“ (erscheint Anfang 2013 im Gabler Verlag).

Das Digitale frisst das Analoge. Alles was digitalisierbar ist, wird über kurz oder lang auch digitalisiert werden. Das fängt bei Musik und Filmen an und geht über Bücher bis hin zu den Zeitungen der Holzpresse. Es ist ja auch noch kostengünstiger und schneller zu produzieren, verteilen und verkaufen. Mit Social Media und dem Mitmach-Internet sind die alten Gatekeeper der öffentlichen Meinung endgültig entmachtet. Anika Geisel schrieb heute im PR-Blogger dazu:

Neue Chancen für Unternehmen

Klassische Pressearbeit war auf Medienvertreter angewiesen, die über das Engagement von Unternehmen berichteten. Die alleinige Gatekeeper-Rolle haben Journalisten längst verloren. Das Aussterben der klassischen Medien – wie aktuell das Ende der FTD und Frankfurter Rundschau – trägt zu dieser Entwicklung bei. Durch Social Media sind Unternehmen selbst in der Lage, die Öffentlichkeit zu informieren und mit ihren Zielgruppen in Dialog zu treten.

Heute stehen dem interessierten Nutzer technische Möglichkeiten zur Verfügung, die man noch vor Jahren weder bezahlen noch bedienen konnte. Ein Aufzeichnungsgerät wie der Zoom H4N, den viele Journalisten genau wie ich benutzen, hätte vor 15 Jahren ein ganzes Tonstudio gefüllt und Unsummen an Geld gekostet. Auch im Bewegtbildbereich hat die Software die Hardware eingedampft und für „Normal-Sterbliche“ bezahlbar gemacht. Final Cut Pro und Adobe Premiere sind heute nicht nur einfacher zu bedienen, sondern kosten auch einen Bruchteil der Vorgängerversionen. Videostreaming  und Hosting ist Dank Google+ Hangouts und Youtube sogar kostenlos möglich.

Das Sterben wird deshalb nicht bei den Zeitungen halt machen, sondern auch das Fernsehen wie wir es heute kennen in Frage stellen. Youtube wird derzeit noch milde belächelt, ist aber schon dabei dem Fernsehen die jungen Zuschauer abspenstig zu machen. Der Abschiedsfilm der Volontäre des Bayerischen Rundfunks spricht Bände:

Die veränderten Nutzer Gewohnheiten bei den jungen Menschen, den sogenannten „Digital Natives“ im Bereich der Holzpresse, beschreibt Gunnar Sohn in seinem heutigen Blogpost auf ichsagmal.com:

Jugendliche würden heute noch nicht einmal zu den Zeitschriften neigen, die früher wie warme Semmeln weggegangen sind. Das Dr. Sommer-Team mit der Zeitschrift Bravo lag früher im Schnitt bei 30 verkauften Exemplaren. Jetzt gehen noch nicht mal drei Exemplare pro Ausgabe über die Theke. …..
….Jugendliche und junge Erwachsene kaufen Printmedien fast überhaupt nicht mehr. Und wer so sozialisiert wird, bleibt wohl auch in späteren Jahren bei dieser Konditionierung. 

Nach den Musikgeschäften und Videotheken sterben nun die Buchläden und Zeitungskioske. Letztere vielleicht nicht ganz, denn Alkohol und Essen sind nicht digitalisierbar.

Aber auch nicht digitalisierbare Branchen trifft es zumindest am Rande. Durch die Verbreitung von Smartphones und Apps wird es bald keine klassischen Taxizentralen mehr geben. Denn über die App kann man viel einfacher, umfangreicher und schneller ein Taxi herbeirufen und sich auch noch über den Fahrer informieren. Auch Apps tragen zur weiteren Digitalisierung unseres Lebens bei. Sohn schreibt dazu:

Die kleinen Programme wirken so niedlich und harmlos: Apps, die man in fast jeder Lebenslage einsetzen kann. Vom virtuellen Biertrinken bis zur Markierung des Autos vor dem Fußballstadion zur besseren Verortung im Gewusel von zehntausenden Fans, die sich nach dem Spiel auf den Heimweg machen. Für Professor Becker sind Apps mehr: ‚Steve Jobs löste eine disruptive Innovationswelle aus, die bereits heute Auswirkungen auf unseren Alltag, unsere Unternehmen und die Wirtschaft als Ganzes hat und zunehmend haben wird‘, sagt Becker. Davon bleibe fast keine Branche verschont. ‚Die entscheidende Innovation von Steve Jobs ist die Anpassung des Interface an den Benutzer‘, sagt Becker. Die Aufgabe, die der Nutzer lösen möchte, bestimmt die Konzeption der App. Und ihre volle Wucht hat die App-Economy noch gar nicht entfaltet. Da gebe es nach Ansicht von Bernd Stahl, Netzwerkspezialist von Nash Technologie, noch jede Menge Luft nach oben. 

Zur zerstörerischen Kraft der digitalen Dauerdisruption haben wir uns auf der letzten Blogger Camp Livesendung unterhalten.

Steve Jobs wollte immer gute Produkte machen, er war sehr von Zen geprägt und versuchte Unnötiges radikal wegzulassen. Das iPhone hat die komplette Mobilfunkbrache revolutioniert und damit den Niedergang des einstigen Branchenprimus Nokia eingeläutet. Damals habe ich als Mobilfunk-Insider und Nokianutzer über die technischen Spezifikationen des ersten iPhones noch gelacht. Erst durch die Anschaffung eines iPod Touch, mit dem selben Bedienkonzept, wurde mir der revolutionäre Charakter des iPhones jenseits der technischen Daten voll bewusst.

Zur Einfachheit werden wir mit den Experten Bernhard Steimel, Leiter FutureMarkets-Center Information & Kommunikation, Andreas H. Bock, Autor des Buches “Kundenservice im Social Web” und Andreas Frank, Planner bei Frank und Lange GmbH in unserer nächsten Livesendung des Blogger Camps ausführlich diskutieren.

Sohn zitiert in seinem Blog weiter:

‚Die Fähigkeit der Smartphones, ihre Benutzer zu lokalisieren, zu identifizieren und genutzte Dienste zu personalisieren wird die Wirtschaftskräfte durcheinander wirbeln‘, so die Überzeugung von Süleyman Arayan, Gründer und Vorstandschef der Ityx-Gruppe in Köln.

Endlich haben die Mobilfunk-Netzbetreiber ihre Killerapplikationen für die Nutzung von Internet, von denen sie noch Anfang des letzten Jahrzehnts geträumt haben. Heute werden Smartphones viel mehr zum Surfen im Internet als zum Telefonieren genutzt. das sieht man schon allein an den immer größer werdenden Bildschirme. Wurden die Geräte früher immer kleiner, nehmen sie heute zumindest in der horizontalen und vertikalen Ausdehnung zu.

Die Apps und Always-on Funktionalitäten der modernen Smartphones bedrohen auch den lokalen Handel. Denn Amazon rüstet auf und versucht die Ware am selben oder spätestens am nächsten Tag zu liefern. Da verkommen die Vor Ort Händler oft nur noch zum haptischen Testladen. Verglichen und bestellt wird dann mit Smartphone und App direkt im Laden des Händlers. Halbherzige Online-Offensiven wie sie die Media-Saturn Gruppe derzeit praktiziert, verhindern das Siechtum nicht, sie beschleunigen es aus meiner Sicht eher.

Es bleibt weiterhin spannend. Wer den digitalen Zug verpasst, der braucht sich nicht zu wundern, wenn er bald vor einem Scherbenhaufen steht. Denn das Digitale frisst das Analoge!

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